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Was tun nach Frostschäden?

22.04.2017

Aktuell erreichen uns unzählige Anfragen, wie auf die aktuellen Frostschäden an Pflanzen zu reagieren sei.

Schneiden oder nicht schneiden?

Es ist unterschiedlich. Bei einigen Pflanzen kann die Intensität des Schadens noch nicht eindeutig beurteilt werden. Dort rate ich noch nichts zurück zu schneiden, sondern abzuwarten, wie sich die Blätter und Treibe in den kommenden Wochen und Monaten weiterentwickeln. Lediglich offensichtlich abgestorbene oder geknickte Pflanzenteile können sofort mechanisch entfernt resp. weg geschnitten werden. Ich selber warte jedoch auch im eindeutigen Fall noch ab, bis der frische Austrieb offensichtlich wird.

Die Natur ist ja optimal auf kleinere und grössere "Katastrophen" vorbereitet. Für solche Ausnahmesituationen besitzen die meisten verholzenden Pflanzen schlafende Knospen oder Augen, in der Botanik als Proventivknospe (von proventiv = hervorkommend) bezeichnet, welche sich üblicherweise gut versteckt oder komplett unsichtbar unter der Rinde oder in den Blatt- und Triebachseln befinden. Dort können sie Jahre und sogar Jahrzehnte lebensfähig bleiben. Ihre Aufgabe liegt einzig und allein in der Wiederherstellung verlorener Pflanzenteile in Folge von "Katastrophen". Im Normalfall verharren sie in einer Starre oder Dormanz, bis eine Situation eintritt, die einen Austrieb dieser bisher schlafenden Knospe erfordert.

Und da es nicht immer offensichtlich, wo die schlafenden "Ersatzaugen" tatsächlich liegen, rate ich eher zum Abwarten, bis sie anschwellen und dadurch ihren Standort verraten. Anschliessend weiss man, bis wo zurück geschnitten werden soll.

Die abgestorbenen Blätter sind manchmal auch ein guter Schutz resp. eine optimale Schattierung, für den zarten Austrieb, welcher nun aus den schlafenden Ersatzknospen spriessen wird. Wird dieser Schutz aus ästhetischen Überlegungen weg geschnitten, sind die fragilen Schösslinge ungeschützt der intensiven Sonne und noch bis Mitte Mai möglichen Frostnächten ausgeliefert.

Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in welchen aktuelle Frostschäden gleich zu einer kompletten Verjüngung der Pflanze motivieren. Meine Kiwi-Pflanze wollte ich eigentlich schon länger einmal kräftig zurück schneiden um sie zu bändigen, war jedoch immer etwas zu faul. Durch den Frostschaden bin ich nun jedoch motiviert diese Verjüngung anzugehen. Ich werde die Pflanze somit in den kommenden Tagen mutig zurück schneiden.

Bei nicht verholzenden Pflanzen (Stauden, Gräser, etc.) kann ein sofortiger Rückschnitt vorgesehen werden. Jedoch gilt auch dort, dass die abgestorbenen Pflanzenteile einen guten Sonnen-/Kälteschutz für den frischen Austrieb bilden.

Wichtig bei allen Pflanzen - besonders in Gefässen - sind nun sehr umsichtige, vorausschauende und eher sparsame Wassergaben. Je weniger Blattmasse die Pflanzen hat, desto sparsamer sollte bewässert werden. Welke Blätter deuten aktuell nicht in jedem Falle auf Wassermangel hin; diese können auch mit den Frostschäden in Zusammenhang stehen.

 

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