Meiers Fragekasten

Frage zum Thema:
"Buchsbaumzünsler Bekämpfung"

Hilft Algenkalk gegen den Buchsbaumzünsler?

Die Antwort von Meiers Gartenteam

In zahlreichen Berichten wird seit einiger Zeit das Bestäuben von Buchs-Pflanzen mit Algenkalk empfohlen. Dieser soll sowohl gegen den Buchsbaumzünsler als auch gegen das Buchstriebsterben helfen. Zwei Gartenfreunde aus Deutschland erregen mit dieser These derzeit viel Aufsehen. Was ist dran an dem Wundermittel?

Als Algenkalk bezeichnet man zermahlene Ablagerungen von Rotalgen. Gegenüber anderen Kalk-Varianten zeichnet sich Algenkalk vor allem dadurch aus, dass er neben Calciumcarbonat auch Magnesium, Kieselsäure sowie verschiedene Spurenelemente mitbringt. Algenkalk bindet Säuren und erhöht so den pH-Wert des Bodens. Stäubt man ihn sparsam auf die Blätter von Pflanzen, kann der hohe pH-Wert Pilzsporen am Keimen hindern.

Diese Wissen hat die beiden Gartenfreunde veranlasst, den Algenkalk auf ihre vom Triebsterben (das durch einen Pilz verursacht wird) befallenen Buchspflanzen zu streuen. Und zu ihrer Freude konnten Sie in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich eine erfreuliche Regeneration ihrer Buchspflanzen dokumentieren. Eher als unerwarteter Nebeneffekt haben sie beobachtet, dass durch die Bestäubung mit Kalk auch der Befallsdruck durch Buchsbaumzünsler (also der Raupe) reduziert wurde.

Diese erfreuliche Meldung hat sich nun in den vergangenen Monaten in Windeseile verbreitet. Auch im Garten-Center Meier melden sich viele Kundinnen und Kunden und fragen nach unserer Einschätzung.

Ich persönlich bin noch etwas skeptisch. Weniger in Bezug auf die den Pflanzenschutzeffekt als auf die „Nebenwirkungen“. Ich frage mich, wie die Buchspflanzen reagieren, wenn deren Blätter regelmässig mit Algenkalk bestreut werden. Auf den Blättern sind ja die Spaltöffnungen. Werden diese regelmässig «eingestäubt» könnte evtl. die Atmung der Pflanze beeinträchtigt werden.

Die regelmässige Kalkung treibt definitiv den pH-Wert des Bodens in die Höhe. Ein zu hoher pH-Wert im Boden führt dazu, dass verschiedene Nährstoffe von der Pflanze nicht mehr aufgenommen werden können. Dadurch sind Nährstoff-Mangelsymptome in Folge von Kreislaufstörungen absehbar.

Aber ich zweifle auch an der Herleitung der Wirkungsweise. Die pH-Veränderung auf dem Blatt kann ich nachvollziehen. Aber wenn es regnet, wird der Kalk vom Blatt abgewaschen. So kann auf den Blättern keine pH-Wert Veränderungen eintreten und der Pilz sollte trotzdem in die Pflanze eindringen können.

Aus all diesen Gründen rate ich aktuell zur Vorsicht und ich mag mich der Euphorie zur Rettung der Buchspflanzen (noch) nicht anschliessen. Auch weil der Befallsdruck durch das Buchstriebsterben in den Jahren 2016 und 2017 eher bescheiden war. Dadurch brachten die Versuche mit dem Kalk einfacheren Erfolg.

In der Zwischenzeit hatte ich auch zahlreiche Kontakte mit Pflanzenschutzexperten und Forschungsinstitutionen. Neben den Bedenken um die erwähnten, negativen Begleiterscheinungen kann die Wirkungsweise niemand wirklich nachvollziehen und auch die Effektivität der Anwendung von Algenkalk wird in Frage gestellt.

Bestreuen mit dem Algenkalk im Kleinen einmal auszuprobieren, ist jedoch auf alle Fälle eine gute Sache. Wenn nicht der ganze Garten als Testanlage „vergewaltigt“ wird, geht man kein grosses Risiko ein. Und weil Algenkalk nicht als Pflanzenschutzmittel sondern als Dünger gilt, ist die Anwendung im Garten erlaubt.

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Einsendung

November 2018

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