News & Aktuelles

Wie Obstbauminsekten und andere Baumbewohner überwintern

06.12.2018

Der Winter ist für viele Tiere eine kritische Jahreszeit. So müssen auch schädliche und nützliche Obstbaumbewohner einen Weg finden, um diese lebensfeindliche Phase gut überstehen zu können. Text & Illustrationen: Ruedi Baeschlin

Kaum beginnen die Bäume im Frühjahr auszutreiben, sind sie auch schon da: die ersten Schädlinge, wie Blattläuse, der Apfelblütenstecher, der Frostspanner und Spinnmilben. Aber wo waren sie während der vergangenen Wintermonate?

Wir wissen schon lange, dass der Apfelbaum ein bevorzugter Lebensraum für viele Insekten, Spinnen und Milben ist, der ihnen Nahrung für eine optimale Entwicklung und Vermehrung bietet.

Nicht nur jene, die in irgendwelcher Weise schädigen, finden ideale Bedingungen, sondern auch ihre Gegenspieler, die Nützlinge und eine grosse Anzahl indifferenter Arten.

Überwinterungsorte und Stadien der Überwinterung

Etwa ab Mitte Dezember kann man die Überwinterungsstadien am Holz entdecken. Dann hat auch der Frostspanner (siehe Beitrag Oktober 2018) seine Eiablage abgeschlossen. Allerdings braucht man, um die Überwinterungsstadien zu sehen, eine mindestens 8- bis 10-fach vergrössernde Lupe.

Die Obstbaumarthropoden - Insekten, Milben und Spinnen - haben verschiedene Möglichkeiten und Stadien gewählt, um die kalte Jahreszeit zu überdauern. Viele von ihnen suchen dazu Vertiefungen, Risse oder andere Verstecke auf der Borke aus.

Jene, die im Eistadium überwintern, sind besonders zahlreich. Dazu gehören u. a. alle auf Obstbäumen bedeutenden Blattlausarten, der Grosse und Kleine Frostspanner, die Kirschblütenmotte, der Sommer-Apfelblattsauger und die Rote Spinne (Obstbaumspinnmilbe).

Als junge oder ausgewachsene Larven überwintern der Apfelwickler, eine Reihe anderer Wicklerarten des Apfelbaumes, der Pflaumenwickler und Schildlausarten. Die Wickler sind durch ein dichtes Gespinst zusätzlich gegen Kälte geschützt.

Zu den Arten, die den Winter als erwachsene Tiere verbringen, zählen die Weibchen der Gemeinen Spinnmilbe, der Birnblattsauger, die Blutlaus und der Apfelblütenstecher. Dieser ist oft an Waldbäumen oder unter Laubstreu in Obstbeständen zu finden.

Auch als Puppen können Insekten überwintern. Dies geschieht aber in den meisten Fällen in der Erde. Wichtige Vertreter dieser Gruppe sind die Sägewespen und die Kirschenfliege.


Wo überwintern die Nützlinge?

Bisher war nur von Schädlingen die Rede. Natürlich müssen auch die grösseren nützlichen Organismen schauen, wie sie mit den winterlichen Temperaturen zurechtkommen.

Marienkäfer überstehen diese Periode als Adulte in geschützten Verstecken an der Bodenoberfläche, unter Laub, Nadelstreu, Moos- und Graspolstern, manchmal auch unter der Rinde von Bäumen, in Hohlräumen zwischen und unter Steinen, in Holzstapeln oder Gebäuden.

Die bei uns wichtigste und häufigste Florfliegenart, Chrysoperla carnea, überwintert als erwachsenes Insekt. Günstige Voraussetzungen bieten kühle, trockene und windgeschützte Stellen, z. B. in Scheunen, Dachböden und Hausfluren. Dabei wechselt der grüne Farbton des Körpers und der Flügel von grün zu blassgelb. Andere Arten verbringen die kalte Jahreszeit im Larvenstadium an geschützten Stellen oder im Kokon, einem seidenartigen Gespinst als Schutzhülle.

85 Prozent unserer Spinnen überwintern in der Bodenzone, hauptsächlich in der gut isolierenden Streuschicht. Die meisten verfallen dabei in einen Zustand der Starre, während der die Beine eng an den Körper gezogen werden. So verhalten sich auch Menschen, wenn sie in ein kaltes Bett steigen. Die Körperoberfläche wird so klein gehalten und damit auch der Wärmeverlust. Einige Arten suchen andere Verstecke aus: Schneckenhäuser, hohle Pflanzenstängel, Baumrinden oder menschliche Behausungen.


Wirkung der Wintertemperaturen

Immer noch hält sich die Meinung, dass ein strenger Winter die überwinternden Schädlinge im Obstbau stark dezimiere. Das ist nicht der Fall. Die meisten Insekten sind sehr gut an das Klima in Mitteleuropa angepasst und ertragen sogar Temperaturen unter -20° C ohne Probleme.

Anders sieht es aus in eher milden Wintern oder bei häufigen Wechseln zwischen Frost- und Wärmeperioden. Während langen kalten Wintern bleiben die überwinternden Stadien in absoluter Winterruhe; so sind sie vor Frost am besten geschützt.

Wenn dagegen Kälteperioden durch Phasen mit Temperaturen von deutlich über 10° C unterbrochen werden, verlassen erwachsene Insekten ihr Winterversteck und verbrauchen viel Energie, ohne wieder Nahrung aufnehmen zu können. Puppen und Eier können zum verfrühten Schlüpfen angeregt werden. Larven verlassen ihre geschützten Positionen, finden nicht die erforderliche Nahrung und müssen bei erneutem Kälteeinbruch wieder ein geeignetes Versteck finden. In dieser Situation werden sie eine leichte Beute von Vögeln, Spinnen, Weberknechten und anderen bei milden Temperaturen aktiven Räubern.

Überleben in der Kälte 
Überleben in der Kälte
 

Aktuelle News

Nützliche Informationen für Ihren persönlichen Erfolg im Garten – unverbindlich und kostenlos.

Kennen Sie unseren grünen Newsletter? Er informiert Sie über aktuelle Tipps zur Gartenpflege, Gartenkurse und inspirierende Veranstaltungen, damit Sie viel Erfolg und Freude in und an Ihrem Garten haben.

Darüber hinaus erfahren Sie Neuigkeiten über Blütenzüchtungen und Gemüsesorten, die im Beet und auf dem Balkon bestens gedeihen. Über Obstgehölze, die endlich auch auf die Terrasse leckere Vitamine zaubern und vieles mehr.