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Darf es drinnen bio sein?

02.12.2020

Bio-Label für Zimmerpflanzen? Haben Sie sich schon gefragt, warum es zwar Gartenpflanzen in Bio-Qualität gibt, aber keine Zimmerpflanzen?

Standpunkt von Erwin Meier-Honegger.

Einige Menschen kaufen Pflanzen, um die Raumqualität zu verbessern und stellen sie ins Schlafzimmer. In Innenräumen wäre es eigentlich umso naheliegender, darauf zu achten, keine mit Pestizid und Herbizid «belasteten» Pflanzen zu haben.

In Bezug auf Pflanzen ist aus meiner Sicht «bio» ein ähnlich undifferenzierter Begriff wie «schön». Schönheit liegt im Auge der Betrachterin und ist eine ausgesprochen oberflächliche Wertschätzung. «Bio» ist meiner Ansicht nach ein einseitig (ab)wertender «Marketingbegriff». Das ist natürlich eine arg philosophische Betrachtungsweise. Ich setze diese jedoch in Zusammenhang mit dem allgemein grassierenden «Silowissen» und wünschte mir eine ganzheitliche Sicht.

Warum sind Zimmerpflanzen selten «bio»?

Mir sind tatsächlich keine Anbieter von Bio-Zimmerpflanzen bekannt und ich habe mir daher Gedanken zu den möglichen Gründen gemacht. Zimmerpflanzen sind nicht anfällig für Krankheiten. Üblicherweise sind somit Fungizidbehandlungen nicht nötig. Das ist positiv und ein gewichtiger Anteil Chemie wird dadurch bei der Zimmerpflanzenkultur nicht benötigt.

Auch Herbizide sind bei Zimmerpflanzen kein Thema, weil man diese ausschliesslich in Gewächshäusern kultiviert. Bezüglich Schädlingen setzt der umweltfreundliche Pflanzenschutz auf ein Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen. Um dieses in geschlossenen Räumen zu erreichen, müssten die Kunden zu Hause quasi einen kleinen Zoo aus Nützlingen und Schädlingen kultivieren. Das ist für viele eine unangenehme Vorstellung.

Und im Garten-Center Meier?

Seit einigen Jahren setzen wir in unserem Zimmerpflanzengewächshaus Nützlinge gegen Schädlinge ein. Damit die Nützlinge «funktionieren», müssen auch immer genügend Schädlinge respektive Futter für die Nützlinge vorhanden sein. Dieses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten ist erstaunlich anspruchsvoll. Und wenn die Pflanze dann gekauft wird und nach Hause kommt, besteht das Risiko, dass die Schädlinge überhandnehmen.

Auch Erde und Nährstoffe mögen eine Rolle spielen. Die Wirksamkeit von organischen Düngern setzt ein intaktes Bodenleben voraus, welches immer auch Getier einschliesst. In der Zimmerpflanzenerde sind jedoch weder Doppelfüsser, Asseln noch Würmer gewünscht, welche danach möglicherweise in der Wohnung umherschleichen und krabbeln. Da gleichzeitig auf Torf verzichtet werden soll, kommen Mineralsubstrate zum Einsatz. In diesen funktionieren die organischen Dünger jedoch nicht. Das alles in Kombination reduziert den Bedarf nach natürlich gepflegten respektive aufgezogenen Zimmerpflanzen. Die Toleranzschwelle von krabbelnder Biodiversität ist im Schlafzimmer deutlich geringer als draussen auf dem Balkon. Und hier schliesst sich der Kreis zu meinem «biologischen» Exkurs am Anfang.

Ohne Verwendung von «Biodünger» darf die Pflanze nicht als «biologisch» angepriesen werden. Selbst wenn ich diese nicht mit chemischen Insektiziden behandle. Komplett «bio» ist manchmal nicht möglich, respektive nicht sinnvoll. Zumal eine aus den Niederlanden herangekarrte Pflanze aus meiner Sicht nicht «bio» sein kann. Daher mag ich den Begriff «bio» nicht. Auch wenn es natürlich schön wäre, wenn die Welt so einfach wäre.

 
 
Erwin Meier-Honegger

Text: Erwin Meier­-Honegger

Erwin Meier-Honegger ist Co-Geschäftsleiter der Firma Ernst Meier AG, Gärtner und setzt sich leidenschaftlich für seinen Berufsstand ein. Er ist international in zahlreichen Gremien aktiv und pflegt einen kritischen Blick auf seine Branche.

 
Zimmerpflanzen sind nicht anfällig für Krankheiten. 
Zimmerpflanzen sind nicht anfällig für Krankheiten.
Wichtig beim umweltfreundlichen Pflanzenschutz: Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen. 
Wichtig beim umweltfreundlichen Pflanzenschutz: Gleichgewicht von Nützlingen und Schädlingen.
 
 

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