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Tag 2 nach dem Neustart

28.04.2020

Ein erster Rückblick: Vom abhanden gekommenen Hamsterrad bis Shakespeare.

Es ist ein Geist des Guten in dem Übel...

Der Neustart ist gelungen und die Erleichterung gross, dass am Eröffnungstagen alles ziemlich reibungslos gelaufen ist. Ebenso gross ist auch mein Glück, wieder mitten in den Kundinnen und Kunden stehen zu dürfen. Gleichzeitig nagt nun jedoch das schlechte Gewissen all jenen gegenüber, welche noch nicht wiedereröffnen durften. Erst jetzt nach der „Befreiung“ wird mir so richtig bewusst, wie beklemmend der gezwungene Stillstand ist.

Ebenso unangenehm ist es mir, dass die Kundinnen und Kunden phasenweise vor dem Garten-Center in der Warteschlaufe stehen müssen, während es im Laden selber erstaunlich gemütlich und geräumig zu und her geht. Platz hätte es doch für viel mehr Menschen Raum und fast niemand müsste sich in Geduld üben. Aber genau diese Grosszügigkeit ist ja momentan der Gesundheit geschuldet und muss noch eine Weile akzeptiert werden. Vielen Dank an alle, welche hierfür viel Geduld und Verständnis aufbringen.

Glücklich macht mich momentan auch der Regen. Endlich beschert uns die Natur das lang ersehnte, wertvolle Nass. Im gleichzeitigen Würgegriff von finanzieller und hydrologischer Trockenheit war es doppelt unangenehm. Trotzdem ist es mir rückblickend etwas peinlich, dass ich mich an dieser Stelle am Anfang der Krise zu etwas allzu arger „Panikmache“ verleiten liess.

Das abhanden gekommen Hamesterrad

Wer in der Gartenbranche tätig ist, findet sich jedes Frühjahr aufs Neue im Hamsterrad der saisonalen Überforderung. Es ist eine Hassliebe zwischen Erfolg und Erschöpfung und ein Wechselbad in Eustress und Distress.

Heuer war alles anders. Jemand hatte mir mein Hamsterrad geklaut. In meinem kleinen Alltagskäfig rannte ich nach der behördlichen Schliessung des Garten-Center ab Mitte März in erschrockener Aufregung plötzlich planlos hin und her. Das erwähnte Wechselband blieb identisch und ich war mir nie wirklich sicher, ob ich den Verlust der Hamsterradroutine begrüssen oder beweinen soll. Auf jeden Fall war die Bewältigung der unverhofften Fülle an „Abwechslung“ wesentlich energieraubender als die Hamsterradidylle.

125 jähriges 'Start-up'

In den 6 Wochen der Stilllegung haben wir ganz viel Neues gelernt. Meine Beschreibung aus dem Jubiläumsjahr, dass wir ein 125 jähriges 'Start-up' sind - und sein müssen -, hat sich auf eine eindrückliche Art bestätigt. Die wichtigste Aufgabe in der Krise war es, die Veränderung und das unbekannte „Neue“ meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber nicht als Feind sondern als Komplize zu vermitteln.

In diesem Prozess haben wir nicht nur viel Neues gelernt. Wir haben uns auch gegenseitig frisch kennengelernt. Es sind plötzlich Eigenschaften und Fähigkeiten ans Tageslicht gekommen, welche bis jetzt unter dem schweren Deckel des normalen Alltags versteckt geblieben sind.

Auch der eine oder andere „Knatsch“ hat sich plötzlich in Luft aufgelöst. Ich erinnere mich an einen Moment, an welchem meine Schwester und ich nach einem langen Tag erschöpft gemeinsam Tränen gelacht hatten. Wir haben uns an einen Disput zurück erinnert, in welchem wir uns noch vor ein paar Wochen heftigst über ein Thema gestritten hatten, welches plötzlich belanglos war.

Thja, wie formulierte es der englische Könige Heinrich V bei Azincourt im Drama von William Shakespeare so schön:

“There is some soul of goodness in things evil,
Would men observingly distill it out.”


("Es ist ein Geist des Guten in dem Übel,
Zög ihn der Mensch nur achtsam da heraus!")

Erwin Meier-Honegger

 

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