News & Aktuelles

Tag 9 nach der Schliessung

25.03.2020

„Plant Waste“: Im Fegefeuer zwischen Shitstorm, Anteilnahme und Dankbarkeit.

Tagebuch aus dem Garten-Center

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden
Werte Interessierte

Heute erschien in unserer Lokalzeitung ein Artikel, über die Pflanzen, welche wir nach der Schliessung des Garten-Centers nicht mehr verkaufen können:

ZOL Artikel vom 25.3.20

Das Echo darauf ist überwältigend. Es umfasst das ganze Spektrum des Interpretationsspielraums solcher Zeitungsberichte.

Allen Rückmeldungen gemeinsam ist das Bedauern, dass so viele wertvolle Pflanzen der Kompostierung zugeführt werden müssen. Unterschiedlich ist das Verständnis resp. die Verständnislosigkeit für diese Massnahmen.

Neben überwiegender Dankbarkeit und Anteilnahme mit guten Vorschlägen erreicht uns auch Kritik.

„Warum lässt ihr Euch bitte nicht etwas Kreatives einfallen, um diese Pflanzen sinnvoll zu verwenden?“

So lautet ein Vorwurf vieler Rückmeldungen. Aber so einfach ist es leider nicht. Die verantwortungsbewusste Reduktion der individuellen Mobilität steht für mich über der Rettung der Pflanzen. Und es wird wenig daran gedacht, dass jeder Aufwand von irgendjemandem bezahlt werden muss. In diesem Spannungsfeld engagieren wir uns nach bestem Wissen und Gewissen.

Was wir tun

Aktuell haben wir Mitarbeitende im Einsatz, welche soziale Institutionen und Altersheime mit „kleinen“ Blumenlieferungen versorgen. Zivilschutzorganisationen stellen wir Pflanzen zur Verfügung, welche sie an ältere Menschen verteilen. Unsere Mitarbeitenden stellen in ihrer Nachbarschaft Blumen-Überraschungskisten vor Haustüren. Das alles leisten wir unentgeltlich.

Bei allen institutionellen Anfragen für etwas grössere Stückzahlen sehen wir einen "Solidaritätsbeitrag" für die Pflanzen vor. Momentan geht es ja auch darum, dass sich Gewerbe gegenseitig unterstützen. Wir offerieren unsere Frühlingsflorpflanzen für einen symbolischen Betrag unter den Gestehungskosten. Dies ermöglicht es uns, einige Mitarbeitende für deren Pflege und Bereitstellung weiter zu beschäftigen, statt sie dem staatlichen "Tropf" zu übergeben. Das nutzt ja schlussendlich allen.

Könnten die Pflanzen nicht in Hofläden, an Tankstellen oder in Lebensmiteilgeschäften mit angeboten werden?

Nein. Der Bundesrat lehnte am 20. März einen Antrag ab, den Verkauf von Saatgut und Setzlingen für private Gärten in den Läden (und damit auch Hofläden) wieder zuzulassen.

Warum richtet Ihr keine eigene Abholstation ein?

Das Gebot der Stunde lautet: „Bleiben Sie zu Hause!“. Wenn alle Interessierten zu uns kämen, um Pflanzen abzuholen, würden wir faktisch unser Garten-Center wieder öffnen. Abholstationen locken noch mehr Menschen zusätzlich aus dem Hause.

An der Abholstation selber mag ja alles hygienisch super sein. Aber die Menschen sind dadurch zusätzlich unterwegs, gehen tanken, sind in der Garage, treffen sich dazwischen unweigerlich mit anderen Menschen, etc. Und all diese Kontakt gilt es ja bis auf Weiteres zu reduzieren.

Darum verzichte ich momentan auf Abholstationen. Vielleicht würde ich es anders handhaben, wenn ich ein kleineres Geschäft wäre, welches sehr lokal seine Waren anbietet. Doch als überregionaler "Anziehungsort" möchte mich heute nicht noch zusätzlich zur Verschiebung von vielen (vor allem älteren) Menschen einladen.

In Dürnten sind täglich um 40 Mitarbeitende im Einsatz

Die Geschenkpflanzen verteilen wir gerne und für die ordentlichen Aufträge von Kundinnen und Kunden sind wir dankbar. Aber für all dies steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Betriebswirtschaftlich wäre es kurzfristig viel «sinnvoller», den ganzen Betrieb stillzulegen und voll auf staatliche Unterstützung resp. Kurzarbeit zu setzen. Das lässt «unser Stolz» jedoch (noch) nicht zu.

Wir bemühen uns redlich und mit einem riesigen Aufwand den "Plant Waste" zu reduzieren und unseren soziale Verpflichtung nachzukommen. Dazu gehört es auch, dass wir die Überlebensfähigkeit unseres Unternehmens im Auge behalten - ansonsten sind all unsere Anstrengungen wenig nachhaltig.

Erwin Meier-Honegger
25.3.2020

 
 

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