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Tag 4 nach der Schliessung

20.03.2020

Verantwortungsbewusste Entscheidungen & Tapfer Kolleginnen und Kollegen der Gärtnerei.

Tagebuch aus dem Garten-Center

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden
Werte Interessierte

Heute ist Tag 4 nach der Schliessung unseres Ladens

Langsam gesellt sich etwas „Normalität“ in die absurde Realität. Während das Garten-Center verwaist ist, erreichen uns täglich hunderte Emails mit Bestellungen, Wünschen und Fragen.

Das ist für uns natürlich eine riesige Freude und eine Art „Versicherung“, dass es eine Zukunft gibt. Auf der anderen Seite ist der Aufwand ebenso riesig. Was wir als Selbstbedienungsgeschäft „normalerweise“ an unsere Kundinnen und Kunden delegieren, „müssen“ wir nun alles selber machen: „Einkaufszettel“ verstehen, Produkte auf der Fläche zusammensuchen, kommissionieren, registrieren, verladen und liefern.

Mein grösstes Versäumnis – um hier nicht ausdrücklich von einem „Fehler“ zu schreiben – ist es, in den vergangenen Jahren auf den Aufbau eines Web-Shops explizit verzichtet zu haben. Meine Entscheidungen gegen den Onlinehandel basierten auf der Überzeugung, dass ein Solcher mit unseren saisonalen Produkten niemals gewinnbringend zu betreiben wäre. Bei dieser Entscheidung hatte ich fatalerweise nicht „auf dem Radar“, dass ein solcher Web-Shop auch als Notfallkonzept wichtig sein könnte.

Diesen Fehler müssen nun andere „ausbaden“. Und so geht an dieser Stelle meine grosser Dank an alle Teams, welche sich momentan mit einem grossartigen Engagement dem Kundendienst widmen und in kürzester Zeit ein Selbstbedienungsgeschäft in ein Kommissionierungslager umorganisieren.

Verantwortungsbewusste Entscheidungen


Wie wohl überall ist auch in unserer Branche der Druck gigantisch. Alle Gewächshäuser sind voll mit Pflanzen, welche über die vergangenen Monate mit viel Aufwand und Leidenschaft kultiviert wurden. All diese Investitionen sind nun wertlos. Der ausbleibende Ertrag ist verkraftbar, die Wertvernichtung jedoch bitter.

Trotzdem stelle ich mich momentan gegen Abholstationen und Drive-Through Angebote. Aus meiner Sicht stehen diese in argem Widerspruch zur Aufforderung "bleiben Sie bitte zu Hause". Wenn wir eine solche Abholstation eröffnen würden, ist ein "Run" darauf absehbar. Davor habe ich Respekt.

Mit meinem vielleicht etwas zu provokanten, ersten Kommentar dazu habe ich mich - mindestens bei einigen Kolleginnen und Kollegen - "in die Nesseln gesetzt":
(Gedanken zum Umgang mit der Corona Krise)

Aber intern hat es uns geholfen, im Durcheinander zwischen Existenzangst und Opportunismus eine Leitleine zu finden. Nun "hangeln" wir uns an dieser weiter in die nächsten Woche voller Ungewissheit.

Tapfer Kolleginnen und Kollegen der Gärtnerei

Derweil müssen die Kolleginnen und Kollegen in der Gärtnerei in Tann unglaublich tapfer sein. Um 100'000 Frühlingsflor Pflanzen in bester Qualität und im schönsten Blühstadium müssen unweigerlich der Entsorgung zugeführt werden. Ebenso viele Gemüsesetzlinge. Das ist brutal.

Parallel dazu nagt die Unsicherheit, ab wann Sommerflor, Sommergemüse und Kräuter, welche momentan in Kultur sind, gebraucht werden. Momentan ist nicht absehbar, ab wann ein Verkauf wieder möglich ist.

Aber ansonsten sind wir grösstenteils gesund und einigermassen munter. Die Stimmung ist wohl „angeschlagen“, aber tapfer. Wir Gärtnerinnen und Gärtner wissen aus Erfahrung, wie gut so manche vermeintliche Katastrophe der Natur tut. Ob Feuer oder Stürme: Die Natur erholt sich und gedeiht danach wieder umso üppiger. Auf dieses Wissen dürfen wir vertrauen.

„Es chunt scho wider guet“
...aber momentan belieben wir noch eine Weile im Sturm.

Erwin Meier-Honegger
Dürnten, 20. März 2020

 

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