Meiers Fragekasten

Frage zum Thema:
"Blätter der Kirschen werden braun, haben Löcher und Triebe dorren ab"

Gestern Abend habe ich mit Schrecken festgestellt, dass unser Halbstamm-Kischbäumlein von einer Krankheit oder einem Schädling befallen ist und daran ist, alle Blätter zu verlieren. Bei einem zweiten kleinen Halbstamm-Kischbäumlein daneben zeigen sich auch bereits erste Zeichen.

Die Antwort von Meiers Gartenteam

Die Dokumentation zeigt einen Mischbefall von zwei unterschiedlichen Krankheiten. Einerseits die durch eine Monilia Pilzinfektion verursachten, abgedorten Triebspitzen. Andererseits werden die durchfallenden Blattflecken und die daraus resultierenden Löcher durch den Pilz ‚Schrotschuss’ verursacht. Der Befallsdruck beider Pilzinfektionen ist sehr witterungsabhängig: Je regnerischer und kühler umso stärker der Befallsdruck. Alle Steinobst-Arten sind diesbezüglich besonders anfällig.

Der Monilia (Spitzendürre) verursachende Erreger tritt während der Blüte über deren Stempel ins Holz ein, zerstört die Blüten und löst die Bildung von grösseren und kleineren Krebsgeschwüren an Zweigen und Ästen aus. Dabei verschliesst der einsetzende Gummifluss die Gefässe, was zum Verdorren und Absterben der Triebspitzen führt. Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen erkrankte Triebe sofort bis ins gesunde Holz entfernt werden. Zudem empfiehlt es sich, die Bäume bei Beginn der Blüte sowie kurz danach mit ‚Rondo Combi’ (Maag) oder ‚Flint’ (Compo/Gesal) zu behandeln. Sobald die Blüte vorbei ist, kann gegen den Pilz nichts mehr unternommen werden: Alles was befallen ist, bleibt befallen und muss weggeschnitten werden. Meiner Ansicht nach wird die Pflanze anschliessend wieder frisch austreiben und bis zur nächsten Blüte gibt es keine Infektionsgefahr mehr.

Die Löcher in den Blättern werden durch einen anderen, pilzlichen Erreger verursacht: Schrotschuss. Die Bezeichnung Schrotschusskrankheit leitet sich von der Symptomatik der befallenen Blätter ab, da diese wie mit Schrot durchschossen aussehen. Es handelt sich um eine Krankheit die vom Pilz Stigmina carpophila verursacht wird. Auch diese befällt vor allem Steinobstarten.

Dabei zeigen sich zuerst an noch jungen Blättern aufgehellte Punkte, welche sich nach einigen Tagen rötlichbraun verfärben. Die Pflanze reagiert darauf mit einer Abwehrreaktion, wobei sie den Pilzerreger ausgrenzt, wodurch sich das kranke, nekrotische Blattgewebe aus dem gesunden herauslöst. Das Blatt sieht wie von einer Schrotschussladung durchlöchert aus. In der Folge vergilbt das Laub und es kommt zu einem vorzeitigen Blattfall. Der gegen Austrocknung und tiefe Temperaturen sehr widerstandsfähige Pilz überwintert an Trieben und Fruchtmumien und vermehrt sich bei feuchtkühler, niederschlagsreicher Frühjahrswitterung explosionsartig. Älteres Laub wird normalerweise kaum noch infiziert, da es einerseits zu widerstandsfähig geworden ist und andererseits die Temperaturen ab Juli für den Pilz nicht mehr ideal sind. Jedoch kommt es zur Infektion junger Triebe, die bis in den Herbst andauert, wobei der Pilz vor allem bei Ansatzstellenabgefallener Blätter eindringt.

Daher empfehle ich Ihnen, unmittelbar vor dem Laubfall Spritzungen mit Pflanzenschutzmitteln auf Kupfer-Basis durchzuführen sowie befallene Fruchtmumien zu entfernen. Sollte im nächsten Frühjahr wiederum eine lang anhaltende, feuchte Witterung auftreten, rate ich zudem bei Laubaustrieb zu den gleichen Pflanzenschutzbehandlungen wie gegen die oben erwähnte Monilia. Nach intensiveren Niederschlägen sind diese Behandlungen zu wiederholen.

Angeschlagene Pflanzen sollten aktuell gestärkt werden. Ich rate Ihnen diesbezüglich zu 5 Stärkungsbehandlungen mit Pflanzen-FIT (Effektive Mikroorganismen) im Abstand von jeweils c. 2-3 Wochen. Das Präparat wird im Sprühverfahren an die Blätter appliziert.

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